Evangelische Kirchengemeinde

Erbach im Odenwald

Aus der Geschichte des evangelischen Posaunenchors Erbach/Odw.

Der Evangelische Posaunenchor Erbach (EPC) wurde unter maßgeblicher Beteiligung seines späteren ersten Dirigenten August Flach im Jahr 1906 gegründet. Bereits im Jahr zuvor begann man mit dem Ankauf von Instrumenten, 1906 fanden dann die ersten Übungsstunden statt. Am Sonntag Lätare, dem 10. März 1907, trat der Posaunenchor zum ersten Mal öffentlich auf. Die Pfarrchronik hält dazu fest:

"Von kirchlichen Festen ist zu erwähnen die Paul Gerhardt-Feier im Schützenhof am 10. März, veranstaltet vom Jungfrauenverein unter Mitwirkung des Posaunenchors, dessen schöne Darbietungen auch in den Gottesdiensten von nun an die Gemeinde oft erfreuen. Sein Dirigent August Flach hat es trefflich verstanden, die jungen Männer zu tüchtigen Bläsern zu erziehen. Paul Gerhardts Leben und Lieder wurden der zahlreich versammelten Gemeinde anschaulich zur Darstellung gebracht."

Bis zum Jahr 1933 war der Posaunenchor eine Unterabteilung des 1902 gegründeten "Jünglingsvereins", aus dem das "Eichenkreuz" hervorging. 1933 schloß die evangelische Kirchengemeinde Erbach mit dem Eichenkreuz Erbach eine "Leihevereinbarung", in der einzel aufgezählte Blasinstrumente nebst Zubehör an die Kirchengemeinde übergeben wurden. Dies diente offenbar dem Zweck, die Beschlagnahme der Gegenstände durch die nationalsozialistischen Musikzüge der SA zu verhindern. Seit dieser Zeit ist der Posaunenchor organisatorisch der evangelischen Kirchengemeinde angegliedert.

Posaunen am Ehrenmal in Haisterbach In seiner langen Geschichte erlebte der Chor fünf Dirigenten. Auf Mitbegründer August Flach folgten Christian Wegel. Karl Mohr prägte den Posaunenchor wie kein andere. Über 50 Jahre gehörte er dem Chor an, hiervon 42 Jahre im Amt des Chorleiters. Als er 1982 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt in jüngere Hände legte, wurde er in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrendirigenten ernannt.

Adam Weyrich übernahm im selben Jahr die musikalische Leitung. Um die organisatorische Arbeit und die Schriftlichkeiten kümmerte sich, ebenfalls seit 1982, Fritz Miltenberger als Chormanager. Beide führten 2006 den Chor in sein hundertjähriges Jubiläum. Zu den Festveranstaltungen des Jahres zählten die ersten Landeskirchenmusiktage der EKHN in Erbach und Michelstadt. Im März 2007 beendeten beide gemeinsam nach 25 Jahren ihre aktive Tätigkeit. Lutz Braune übernahm die organisatorischen Aufgaben. Für die musikalische Leitung konnte Hartmut Liermann gewonnen werden. Fritz Miltenberger betreibt weiterhin Archiv und Geschäftsstelle des EPC.

Der Evangelische Posaunenchor (EPC) Erbach gehört dem Posaunenwerk der Evangelischen Kirche in Deutschland (Bezirk Starkenburg) an. Er sieht seine Hauptaufgabe bis heute im Wahlspruch aller Posaunenchöre: "Gott loben, das ist unser Amt!" So wirken die Bläser bei allen besonderen kirchlichen Festtagen im Gottesdienst mit. Hinzu kommen im Sommer die monatlichen Frühgottesdienste im Wald des "Brudergrundes" zwischen Erbach und Roßbach.

Neben den gottesdienstlichen Einsätzen veranstaltet der EPC von Zeit zu Zeit geistliche oder weltliche Konzerte. Die Mitwirkung am Landes- oder Bezirksposaunentag, bei Feierstunden an Volkstrauertag und Totensonntag und das Blasen auf den Weihnachtsmärkten in Erbach und Michelstadt runden das umfangreiche Jahresprogramm ab. Das aktuelle Repertoire des Chors reicht von Chorälen, Motetten und alter Bläsermusik über Volkslieder, Märsche und Polkas bis hin zum Swing.

2002 erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch. Nach einer Werbeaktion an der örtlichen Schule begannen 12 Schülerinnen und Schüler im Alter von 8 bis 12 Jahren ihre Ausbildung als Jungbläser. Neun davon wirken auch nach einem guten Jahr noch mit, weitere interessierte Jugendliche sind jederzeit willkommen. Der wöchentliche Jungbläserkreis wird von Lutz Braune zusammen mit weiteren Chormitgliedern angeleitet.

Ein jährlicher Wochenendausflug belohnt die Bläser und deren Angehörige und Freunde für ihren Idealismus. Mittlerweile acht Auslandsreisen stärkten den Zusammenhalt im Chor. Viermal ging es nach Schottland, zweimal nach Tschechien, einmal nach Italien, und im Jahr 2003 stand eine Fahrt in die südfranzösische Provence auf dem Programm.

 Posaunenchor im Brudergrund